|||

Angesichts des "
100 Tage" lang "betreuten Lesens" , welches zum Erscheinen von David Foster Walace's "
Unendlicher Spass" eine ausgesucht geladene Leserschaft , deren Namen nicht zuletzt den
Kiepenheuer und Witsch- Verlag mit einigem Promi- und Glamourfaktor dienen , erwies sich rasch , wie sich das tägliche Lesepensum in simple Inhaltsangaben und gefühlte Wertungen niederschlug .
Die Methode täglich limitierter "
reading assignments" ist uns aus dem amerikanischen
Undergraduate- Unterricht noch bestens erinnerlich . Am College eine praktikable Methode , Lektüren zu synchronisieren sowie den Studierenden durch regelmässige , indes einigermassen bewältigbare "Etappen" durch längere Lesestoffe zu geleiten , zeitigt das "
100 Tage"- Projekt indes keine wesentlich elaborierteren Ergebnisse als sie die "papers" der knapp 20- Jährigen aus der verwöhnten Bay Area lieferten .
Ohne damit ein Votum über die Qualität von David Foster Walaece's "
Infinite Jest" abzugeben , wurde nun ein weiterer Lese- , Reflexions-, Schreib- und Austausch- Raum eingerichtet , welcher Lektüre und Wirken eines Werkes befördern soll , welches unzweifelhaft zu den radikalsten Neuerscheinungen des deutschen Literaturhebstes zählt :
Ulrich Schlotmanns "
Die Freuden der Jagd" , welches , 1.100 dichtbedruckte Seiten stark , eben im Verlag Urs Engeler erschienen ist .
Zehn Lebensjahre gedrängter Spracharbeit stecken in diesem Werk , welches in Thema und einem Netz systematisch ausgearbeiteter Variationen in den Topiken von "deutschem Wald" und "Waidwerk" alle möglichen Männerbünde und -Phantasien in ihrer inhärenten Gewaltlust | Lustgewalt decouvriert .
Was man diskursiv schnell in die Rubriken "
Jägermeister und ihr -Latein" abschieben möchte , stellt sich in Schlotmanns Texten auf eine stupend "sprachszenisch" lebendige Weise dar . Es handelt sich hier
mutatis mutandis um ein Werk , welches bislang allenfalls in der "grossen Edition" von Gustave Flauberts "
Universalenzyklopädie der menschlichen Dummheit . Ein Sottisier" ( in der Übersetzung Hans- Horsts- Henschens , Eichborn Berlin 2004 ) ein Gegenüber findet . Auch von den in den "
Letzten Tagen der Menschheit" kompilierten Szenen" wäre mit ihrer Bloss- Stellung des immanenten und expliziten Gewaltpotenzials der Sprache eher vergleichend | differenzierend zu sprechen als von dem per Schriftbild sofort assoziierten Arno Schmidt .
http://static.twoday.net/modBetterEditor/editor_icon_italic.gif
Es ist der transitive ( und trangressive ) Akt des Immer- wieder- Exerzierens von parallelen Szenen , welcher
Ulrich Schlotmanns Werk zugleich in den Rang einer sprachlichen Formation von Konzeptkunst hebt , ganz ohne White Cube und Grand Opening .
Wenn es die Arbeit der Lektüre sein könnte , beispielsweise das Konzept , dessen "patterns" und deren Verschiebungen zu überprüfen , mag sie ihre Kompensation in der Lust der szenisch gegen einander gesetzten Jargons und Soziolekte , Fachsprachen und Dialekte , Interjektionen und Maulfaulheiten finden . Denn da ist - ob wir ihn nun aus Angstlust angesichts des
Dargestellten oder aus Lustangst an der empfinden - allerhand Witz drin .
So sei keinesfalls verschwiegen , dass der Autor mit der Lesung aus Auszügen seines Grosswerks nicht ganz zufällig im Jahr 2008 den
2. Preis des Literaturwettbewerbs Wartholz sowie den
1. Preis der Biennale für Literatur Floriana davon trug .
|||
Wer szenenweise Eindrücke von den Texten | Themen | Thesen dieser
écriture erhaschen mag , ohne noch das
Druckwerk in Händen zu halten , findet folgende Texte im Netz :
DIE FREUDEN DER JAGD – Immer allein
DIE FREUDEN DER JAGD – Geisteskranke
DIE FREUDEN DER JAGD – Gott
DIE FREUDEN DER JAGD – Mann
DIE FREUDEN DER JAGD – Frau
DIE FREUDEN DER JAGD – Tier
DIE FREUDEN DER JAGD – Neger
|||
czz - 8. Okt, 11:57