Sonntag, 11. Oktober 2009

Methode - Zeilen ritzen

Wie das anzustellen ist, zu dessen Zweck ich diese Seite eingerichtet habe, ist mir nicht gewiss. Ich gehe derart vor, beim Lesen auf ein Zettelchen eine Notiz mit Andeutung und Seitenzahl zu machen, wenn mich ein Gedanke lockt. Zuletzt S. 41:

"so: wie die Wunde mit dem angrenzenden/(halbwegs) noch - intakten Gewebe verwächst - nämlich: unter Bildung von Narben"

Jetzt war es nicht ganz einfach zu sehen, was ich am besten zitieren sollte. Die Sache mit einem möglichst kurzen Zitat gelöst. Denn um daran zu erinnern, dass jeder Abschnitt mit der Formel des Manns, der in den Wald hineingeht, beginnt, und dies so schlicht den immer wieder erfolgten Einstieg als Leserin in das Geflecht begrüßt - quasi per Handschlag oder Nicken - wie die Begegnung mit Ricardo Domeneck auf der Straße, die so schnell und glatt von sich ging, dass sie ohne Verlegenheit vorbei war, ehe ich fragen konnte, ob er das Buch schon bekommen hat - um an diese wirklich erquicklichen Anfänge zu erinnern, ist es nicht notwendig, die ganze Strecke von dem Anfang bis zur Stelle mit dem Bild nachzutippen, das ich betrachten will.

Ist es ein Einschussloch? Die Triade: Wunde, Rand, intaktes Gewebe suggeriert mir ein comicartig abgegrenztes Bild eines solchen Eintrittslochs von einem Projektil. Ich sehe rot, ein Ring weiß, Umgebung rosa. Es gleicht mir einer diskursiven Zielscheibe: In der Mitte das Prinzip, vielleicht geäußert; rundherum Schweigen, Interpretation, Kontrast, blutleerer Schock; in einiger Entfernung beginnt wieder die Umgebung, wo alles in Anteilen vorkommt und nicht so schlimm ist, nicht so gut, nicht so.

So klingt auch das Lesen ab und so etwas wie ein solches Bild bleibt noch als unregelmäßige Erhebung, ohne, im günstigen Fall, wieder zu bluten. Aber es ist möglich, dass es ja doch wieder aufreißt, durch Übung, durch wiederholte Strapaz, durch Unglück, durch Neugier.

Merkwürdig erscheint ja, dass die Narbe die Wunde ersetzt. Die Wunde ist ja auch nichts, eine Empfindung; ein Fehlen von Fleisch, eine Interruption, ein Problem, ein Verhältnis mehrerer Welten zueinander. Die Narbe entsteht daraus und ist etwas.

Bäume vor Wald

die Freuden der Jagd

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