Dienstag, 29. September 2009

Nur herein!

endellheizkoerperverkleidung

(Heizkoerperverkleidung von August Endell für das Bunte Theater in der Köpenicker Straße, 1901)


"Und so bleibt uns schon nichts anderes übrig, als wenigstens die Form der Räume und ihre Aufeinanderfolge selber zu entwerfen. Schon unser äusseres Leben ist von dem früheren tausendfältig verschieden durch die andere Art unseres Verkehrs, des Geschäftslebens und nicht zum wenigsten unserer entwickelten Beleuchtung. Wichtiger sind: die gänzlich andere soziale Schichtung, das eigentümliche Tempo unseres Lebens und die grundverschiedene Art unserer Lebens-Bilanz und unseres Glückes. All das verlangt nach eigenem Ausdruck und es ist wahrlich besser, unbeholfen und ungeschickt dem eigenen Sehnen und Wünschen Ausdruck zu geben, als mit gestohlenen Formen Kunstfertigkeit vorzutäuschen, prahlerische Gebäude zu errichten, die durch ihre Verlogenheit nur von den traurigsten Eigenschaften unserer Zeit Kunde zu geben geeignet sind. Es hilft also nichts, wir brauchen wirklich neue Formen."

(Derselbe, im Aufsatz "Originalität und Tradition", 1902)
stabigabi1 - 29. Sep, 14:25

Willkommen!

Nach Art eines rückwärts spazierenden Zennovizen nehme ich einen komischen, überspeziellen Anlauf, um dieses Forum zu eröffen, in dem "Die Freuden der Jagd" zu besprechen wir uns vorgenommen haben.

Insbesondere begrüße ich den Autor, Ulrich Schlotmann.
Indessen vermute ich, dass er sich vorerst in Schweigen hüllen wird, wo doch eine Kunstprosa viel ist, was man nach und nach begreift without being told aber eben erst nach und nach.

Daher auch dieser verquere Anlauf mit einem Stuckstück, das ich gestern aus einem brachgelegten Haus holte. Dieser Endell schreibt ein bisschen durcheinander, mit einem Fuß im Common Sense, mit dem anderen zwischen Ratio und Vision eiernd. Und seit er schrieb, ist die Sprache ja noch viel mehr zu einem Schutthaufen geworden, in dem man umherwatet und zur Verständigung den einen oder anderen Ausdruck in die Höhe hebt, um das Bild Wittgensteins zu aktualisieren. Man setzt sich da gerne auf größere Brocken wie auf ein Floß, so auf die Übereinkunft der Avantgarde, oder der Erzählung (was wir ja nicht so mögen, gell..), oder allgemein der schwülstigen Sprachliebhaberei, die Fragen nach dem Grund des Schwärmens am liebsten mit dem Sahnespender ersticken möchte. Die Fragen (nach Grundrelationen, etwa von Kunst und Mensch oder von verschiedenen Funktionen, Aktivitäten und zwecklosen Freuden der Sprache, drinnen und draußen, usw.) sind ja oft nicht so sehr gefährdend als lästig. Denn sie wiederholen sich, und man kommt darin oft nicht sehr weit, bevor ein Streit entsteht.

Mir scheint es interessant, dieses Buch - und vielleicht in Zukunft auch andere - mit ein bisschen weniger fixen Voraussetzungen zu besprechen, als es publiziert wird; so vielleicht der Schreibsituation etwas näher, die ja mit der ungepolsterten Welt zu allen Seiten in Berührung ist.

Daher die Ermutigung zur brüchigen Formulierung, die sich auch Blößen gibt; zu dessen Schutz verlange ich hier eine bestimmte Gesinnung: eine freundliche. Bei einem solchen Tomus mit unerhörtem Ziel (ich meine, es ist nicht eine Darstellung der Geschichte Roms) kann es nicht darum gehen, es zu loben oder zu verurteilen. Es ist jetzt da, und man kann es besprechen. So wenig wie diese Seite in den Geruch einer Reklame kommen soll, so wenig soll sie im üblichen Hick-hack zwischen "Avantgardegegnern und Freundinnen avancierter Literatur" untergehen. Daher eine offene Gästeliste; daher die unbedingte Forderung nach einem kultivierten und besonnenen Umgangston.

Wer sich beteiligen möchte, melde sich an bei ann - ät - lyrikkritik.de.

Die eigenen Beiträge kann man immer ändern oder löschen. Idioten kann man dreschen.

Also versuchen wirs.
a.c.

stabigabi1 - 4. Okt, 10:27

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Noch etwas genauere Ausführungen zum Procedere des Anmeldens.

Alle Welt kann sich registrieren (beim übergeordneten Blognetzwerk twoday). Dabei muss man sich einen Namen geben, eine Emailadresse angeben und einen Link bestätigen. Sodann bitte ich um eine kurze Nachricht nach ann ät lyrikkritik.de und ich mache den angegebenen Namen zum "Contributor" mit "Schreibrechten".

Bäume vor Wald

die Freuden der Jagd

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