Methode - Zeilen ritzen
Wie das anzustellen ist, zu dessen Zweck ich diese Seite eingerichtet habe, ist mir nicht gewiss. Ich gehe derart vor, beim Lesen auf ein Zettelchen eine Notiz mit Andeutung und Seitenzahl zu machen, wenn mich ein Gedanke lockt. Zuletzt S. 41:
"so: wie die Wunde mit dem angrenzenden/(halbwegs) noch - intakten Gewebe verwächst - nämlich: unter Bildung von Narben"
Jetzt war es nicht ganz einfach zu sehen, was ich am besten zitieren sollte. Die Sache mit einem möglichst kurzen Zitat gelöst. Denn um daran zu erinnern, dass jeder Abschnitt mit der Formel des Manns, der in den Wald hineingeht, beginnt, und dies so schlicht den immer wieder erfolgten Einstieg als Leserin in das Geflecht begrüßt - quasi per Handschlag oder Nicken - wie die Begegnung mit Ricardo Domeneck auf der Straße, die so schnell und glatt von sich ging, dass sie ohne Verlegenheit vorbei war, ehe ich fragen konnte, ob er das Buch schon bekommen hat - um an diese wirklich erquicklichen Anfänge zu erinnern, ist es nicht notwendig, die ganze Strecke von dem Anfang bis zur Stelle mit dem Bild nachzutippen, das ich betrachten will.
Ist es ein Einschussloch? Die Triade: Wunde, Rand, intaktes Gewebe suggeriert mir ein comicartig abgegrenztes Bild eines solchen Eintrittslochs von einem Projektil. Ich sehe rot, ein Ring weiß, Umgebung rosa. Es gleicht mir einer diskursiven Zielscheibe: In der Mitte das Prinzip, vielleicht geäußert; rundherum Schweigen, Interpretation, Kontrast, blutleerer Schock; in einiger Entfernung beginnt wieder die Umgebung, wo alles in Anteilen vorkommt und nicht so schlimm ist, nicht so gut, nicht so.
So klingt auch das Lesen ab und so etwas wie ein solches Bild bleibt noch als unregelmäßige Erhebung, ohne, im günstigen Fall, wieder zu bluten. Aber es ist möglich, dass es ja doch wieder aufreißt, durch Übung, durch wiederholte Strapaz, durch Unglück, durch Neugier.
Merkwürdig erscheint ja, dass die Narbe die Wunde ersetzt. Die Wunde ist ja auch nichts, eine Empfindung; ein Fehlen von Fleisch, eine Interruption, ein Problem, ein Verhältnis mehrerer Welten zueinander. Die Narbe entsteht daraus und ist etwas.
"so: wie die Wunde mit dem angrenzenden/(halbwegs) noch - intakten Gewebe verwächst - nämlich: unter Bildung von Narben"
Jetzt war es nicht ganz einfach zu sehen, was ich am besten zitieren sollte. Die Sache mit einem möglichst kurzen Zitat gelöst. Denn um daran zu erinnern, dass jeder Abschnitt mit der Formel des Manns, der in den Wald hineingeht, beginnt, und dies so schlicht den immer wieder erfolgten Einstieg als Leserin in das Geflecht begrüßt - quasi per Handschlag oder Nicken - wie die Begegnung mit Ricardo Domeneck auf der Straße, die so schnell und glatt von sich ging, dass sie ohne Verlegenheit vorbei war, ehe ich fragen konnte, ob er das Buch schon bekommen hat - um an diese wirklich erquicklichen Anfänge zu erinnern, ist es nicht notwendig, die ganze Strecke von dem Anfang bis zur Stelle mit dem Bild nachzutippen, das ich betrachten will.
Ist es ein Einschussloch? Die Triade: Wunde, Rand, intaktes Gewebe suggeriert mir ein comicartig abgegrenztes Bild eines solchen Eintrittslochs von einem Projektil. Ich sehe rot, ein Ring weiß, Umgebung rosa. Es gleicht mir einer diskursiven Zielscheibe: In der Mitte das Prinzip, vielleicht geäußert; rundherum Schweigen, Interpretation, Kontrast, blutleerer Schock; in einiger Entfernung beginnt wieder die Umgebung, wo alles in Anteilen vorkommt und nicht so schlimm ist, nicht so gut, nicht so.
So klingt auch das Lesen ab und so etwas wie ein solches Bild bleibt noch als unregelmäßige Erhebung, ohne, im günstigen Fall, wieder zu bluten. Aber es ist möglich, dass es ja doch wieder aufreißt, durch Übung, durch wiederholte Strapaz, durch Unglück, durch Neugier.
Merkwürdig erscheint ja, dass die Narbe die Wunde ersetzt. Die Wunde ist ja auch nichts, eine Empfindung; ein Fehlen von Fleisch, eine Interruption, ein Problem, ein Verhältnis mehrerer Welten zueinander. Die Narbe entsteht daraus und ist etwas.
stabigabi1 - 11. Okt, 15:12
stabigabi2 - 17. Okt, 23:17
was ich übrigens doch etwas irritierend finde ist die diskrepanz zwischen disparatem zerspplitterungseffekt der satzzeichen und kohärenz des erzählten und erzählvorganges...
krieg ich noch nicht zusammen und auch/nicht (haha) gut nicht.
krieg ich noch nicht zusammen und auch/nicht (haha) gut nicht.
stabigabi1 - 18. Okt, 11:04
Einstellungssache -
In Berlin, wo die einzige wahre Meinung sein kann: Jeder kann denken darüber, wie er will, gibt es zwei Arten, zu erzählen, wie es ist, die Fußstapfen eines postmodernen Schädels nachzuzeichnen. Nichts sagen oder alles sagen. Entweder man verwendet nichtssagende Phrasen, die nicht unter die Haut gehen, wie die meiste erzählende Prosa, oder man besitzt möglichst alle Einstellungen, die es zu einer Sache gibt. Zumindest kann ein Versuch in diese Richtung gemacht werden, diese Einstellungen müssen jedoch wie Kindergartenkinder ein wenig organisiert werden, etwa durch ein Spielplatz von Satzzeichen, über das sie klettern, rennen, stürzen und hängenbleiben. Wer genau hinschaut, sieht auch, wie der Spielplatz sie in Kategorien teilt: die trägen, die zögernden, die dreisten und forschen, die, die mit den anderen Spielchen treiben und die, die ihrer Ecken Spezialisten sind. Übrigens wollte ich diese beiden Methoden nicht als gleichberechtigt hinstellen.
In Berlin, wo die einzige wahre Meinung sein kann: Jeder kann denken darüber, wie er will, gibt es zwei Arten, zu erzählen, wie es ist, die Fußstapfen eines postmodernen Schädels nachzuzeichnen. Nichts sagen oder alles sagen. Entweder man verwendet nichtssagende Phrasen, die nicht unter die Haut gehen, wie die meiste erzählende Prosa, oder man besitzt möglichst alle Einstellungen, die es zu einer Sache gibt. Zumindest kann ein Versuch in diese Richtung gemacht werden, diese Einstellungen müssen jedoch wie Kindergartenkinder ein wenig organisiert werden, etwa durch ein Spielplatz von Satzzeichen, über das sie klettern, rennen, stürzen und hängenbleiben. Wer genau hinschaut, sieht auch, wie der Spielplatz sie in Kategorien teilt: die trägen, die zögernden, die dreisten und forschen, die, die mit den anderen Spielchen treiben und die, die ihrer Ecken Spezialisten sind. Übrigens wollte ich diese beiden Methoden nicht als gleichberechtigt hinstellen.
stabigabi2 - 19. Okt, 11:50
fußstapfen eines schädels??? dachte ich. aber dann las ich es, und zwar nämlich (schön) als fußstapen im innern des postmodernen schädels. das kann ich mir gut vorstellen, es scheint mir sogar einleuchtendes bild für das geschehen in diesem text zu sein. auch das hüpfen/springen etc wobei man letzteres ja auch zu arno schmidt sagen könnte und dann knüpfte krampfhaft die frage daran an, wer nun magellan und wer kolumbus der satzzEIchen sei. vielleicht hör ich einfach lieber das knacken der schale, sprich: wenn die rundung zur geschichte zerbricht.
deshalb kehr zu den stapfen, gleichviel in welchen sie nun gehen: irgendwann kommt ja die neuschneedecke. und ab dann ist es so oder so keine erzählung mehr (erzählungen sind retrospektiv - oder irre ich mich?)
p.s. und kann man nicht, was in berlin sagbar ist, überalls sagen (ausser, sagen wir, in tokelau)
deshalb kehr zu den stapfen, gleichviel in welchen sie nun gehen: irgendwann kommt ja die neuschneedecke. und ab dann ist es so oder so keine erzählung mehr (erzählungen sind retrospektiv - oder irre ich mich?)
p.s. und kann man nicht, was in berlin sagbar ist, überalls sagen (ausser, sagen wir, in tokelau)
stabigabi1 - 19. Okt, 20:58
The invisible Man - Fußstapfen im Schnee...
<u></u>
. (der unendliche spass hatte doch seine grenzen. hab mir jetzt ne schubkarre und das buch gemietet. hoffe, ich passe damit in die tram. bald mal mehr ...)Ein wenig beschämend ist er, denn eigentlich wusste ich das, oder vermutete es mit vagen Kenntnissen, wie dass es da unten einen Tiefseefisch gibt mit so etwas wie einer elektrischen Angel, aber leuchtet diese nun bloß, oder elektrifiziert er damit seine Beute? In Eile wagte ich nicht, die Methode, die wie eine Heilmethode ungewiss schien, zu probieren. Es erschien sicherer zu umschreiben. So eine Mystik im zaghaften Zutrauen zu den Grundlagen! Dem, was ich koche, misstraue ich übrigens aus ebendemselben Grund.
ZUR SACHE!
Was geschah denn eigentlich, als ich glaubte, die Unterstreichungen umschreiben zu müssen? Leider kann ich es nicht stehen lassen, es hat seine Unschuld verloren. Ich berichtete fromm von den Unterstreichungen, verfiel ins blinde Folgen, wie in der Schule, da man Kategorien von Wörtern mit Buntstiften unterschiedlicher Farbe unterstreichen sollte. Was Binde-, was Verhältnis-, was Für-, was Umstandswort war, war mir unklar, die deutschen Namen, die aus verschiedenen Gründen bündelten, verwirrten mich, denn sie gesellten sich zu den lateinischen, die ich besser verstand, und wie im Turnunterricht unbeliebte Spieler wollten sie sich nicht zu Paaren finden, die anmutigen lateinischen Wortartbezeichnungen, deren innere Unlogik durch Jahrhunderte von Schulbüchern in Magie verzaubert war, und die hinkenden deutschen, zu schmiegsam, um mit dem Intellekt artikuliert zu kopulieren, Erklärungen aufplusternd wie eine Aufwärterin ein Kopfkissen aus dem Fenster bauscht. Natürlich verstand ich nichts und fand sie einfach unsäglich dümmlich. Ähnlich wurde ich nie den Verdacht los, der Aufkleber "Bitte die Türen im Notfall kräftig nach Innen ziehen" bedeute, ich müsse in einem solchen Fall die Tür gegen meine Brust drücken. Innen war freilich eine hohe erwachsene Frau mit schwarzen Haaren, die vielleicht Ines oder Iris hieß. Gewissermaßen waren die Buchstaben und mit ihnen der wahre Wortlaut, die gerade, idealische Bedeutung, mit mir verbündet, und die deutschen Wörter schoben und drückten diese Bedeutungen mit stumpfsinnigen bürokratischen Bedürfnissen in verbogene, schlimme und unverständliche Verstecke und Zustände, wo man sie nicht immer erkennen konnte, ihnen nicht helfen konnte, ihnen nur durch die Stäbe der deutschen Wörter zuwinken konnte.
So habe ich oben erst folgsam die Unterstreichungen kopiert, in der Hoffnung, sie würden sich mir einbrennen und ich würde wissen, ohne je formuliert zu haben, warum bestimmte kleine Wörter und Modulationen unterstrichen sind, so wie ich weiß, warum manche Pflanzen weißen oder klaren Flaum an Blättern und Stamm tragen, wo andere sehr glatt sind.
(noch mal