Liesl Ujvary über "Die Freuden der Jagd"
10 Jahre arbeitete Ulrich Schlotmann an seiner grossen Prosa „Die Freuden der Jagd“. Hier wird eine reine Männerwelt geschildert (Frauen kommen nur ganz am Rande vor, etwa als Pornodarstellerin), deren Inszenierungen sich aus dem Paläolithikum offenbar relativ ungebrochen bis in die Gegenwart fortsetzen. Schlotmann beschreibt diese Welt nicht nur, er demaskiert und seziert sie bis ins Detail. Sehen wir es so: Die männliche Ideologie der altsteinzeitlichen Jäger und Sammler brachte nach und nach neben der Kriegskunst das Schmiedehandwerk, das Militär, die Hierarchie, den Gehorsam, die Homophobie und den religiösen Schuldkomplex hervor. In den „Freuden der Jagd“ beobachtet die Sprache diese Welt als Modulsystem von Texten, das sich in vielen Dimensionen realisiert, manche dieser Dimensionen deutlich sichtbar, manche eingefaltet und kaum kenntlich. Blitzartig spannen sich assoziative sprachliche Netze aus, springen von Metaebene zu Metaebene, alte, uralte, alttestamentliche Codes sind ebenso gegenwärtig wie moderne Sprach- und Medienkritik. Die eigenwillige, dichte Zeichensetzung verhilft dem Autor dazu, Links zu setzen auf verwandte Metaphern & Samples und so Bezugssysteme innerhalb von Bezugssystemen anzudeuten. Individuen treten hier nur als sprachliche Membrane auf, in denen sich eine Denk- oder Existenzhaltung momenthaft manifestiert, um gleich darauf in andere Formen, Schablonen oder Programme überzuwechseln und auf diese Art ein Panorama omnipräsenter Lebensstandards zu entwerfen.
Nun ja, moderne Prosa.
Nun ja, moderne Prosa.
stabigabi1 - 29. Sep, 22:39